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20.8.2017 : 15:34 : +0200

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Drogenkrieg überzieht Mexiko

Im Jahr 2008 kamen in Mexiko mehr als 5500 Menschen im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität zu Tode.
Damit verdoppelte sich die Zahl zum Vorjahr. Die meisten Verbrechen fanden in den USA Grenznahen Städten, Tijuana, und Juarez statt, und hingen meistens mit dem Drogenkrieg diverser Kartelle zusammen. Allerdings weitet sich der Krieg zwischen ca. einem halben Dutzend Kartellen  untereinander, und mit dem Militär, mittlerweile auf andere Regionen Mexikos aus.

So wurden 2008 sieben kopflose Leichen in der Nähe von Merida (Yucatan) gefunden. Auch die Hauptstadt Mexiko City und andere Regionen werden vom Drogenkrieg nicht verschont.

Mexikos Präsident Felipe Calderon hat mit seinem Amtsantritt 2006 den Drogen den Krieg erklärt, und daher sofort nach seinem Antritt 102 korrupte Polizeichefs im ganzen Land suspendiert. Daraufhin haben die Drogenkartelle die Blutrache gegen  Mexikos Regierung eröffnet und schon einige Minister ermordet.
Doch Calderon läßt sich dadurch nicht einschüchtern und hält weiter an seinem strengen Kurs fest.

"Niemand wird uns einschüchtern und nichts wird uns aufhalten."


Zur Zeit kämpfen 36.000 Soldaten gegen die Machenschaften der mexikanischen Mafia, die neben den Drogenhandel auch Menschenschmuggel, Entführungen und die Prostitution kontrollieren.
Die USA unterstützt eigennützig Calderons radikale Tour, indem sie jährlich etwa 400 Millionen Dollar für die Stärkung des mexikanischen Militärs und der Polizei zuschießen.
Doch Mexikos Kampf gegen die Drogenkartelle wirkt etwas hilflos und aussichtslos.

So sind am 11.02.2009 in Mexiko binnen 24 Stunden 44 Menschen bei Kämpfen getötet wurden.

Eine Gewaltwelle überzog das Land:

  •  In der Nähe von Juarez kam es nach einer Entführung zu einer Schießerei zwischen Polizei, Militär und einer Drogenbande, wobei laut Polizei 14 Kriminelle und ein Soldat erschossen wurden.
  •  Im zentral gelegenen Bundesstaat Mexiko fand die mexikanische Polizei zwei enthauptete Männer  in einem Auto mit einem Drohbrief von einem Drogenkartell.
  •  Im südlichen Staat Guerrero wurden zwei Männer erschossen
  •  In Baja California wurde ein Pilot vor seiner Haustüre mit einem Maschinengewähr hingerichtet.
  •  Im Staat Coahuila stürmten drei Männer ein Gefängnis, erschossen drei Häftlinge und befreiten neun andere.


Videos zum Drogenkrieg in Mexiko

"Krieg gegen die Drogen ist verloren! Staaten resignieren!"

In den letzten sechs Jahren haben in Mexiko über 60.000 Menschen dem "war on drugs" ihr Leben gelassen und oder sind verschwunden. Obwohl einige Kartellgrößen, wie "El Bigote", "El Flaco", "La Barbie" des "La Familia" -Kartells oder "Tony Tormenta" des Golf-Kartells, gefasst, verurteilt oder erschossen wurden scheint der  Krieg gegen die Drogen aussichtslos zu sein.

"Denn wenn man einen Kopf abschneidet, wächst der nächste sofort nach."

(Alberto Perez - Chef der kolumbianischen Anti-Drogenbehörde)

Aufgrund der Zerschlagung einiger großer kolumbianischer Kartelle haben nun kleinere Kartelle in angrenzenden Ländern, besonders in Mexiko das Drogenbusiness in die Hand genommen. Wird eine Tür verschlossen gehen 100 neue auf.
Es gibt anscheinend keine Wege und Mittel den Drogenkrieg zu gewinnen - Auch nicht mit 50.000 Soldaten und 35.000 Bundespolizisten, Panzern, Black-Hawk-Hubschraubern und anderen schweren Waffen, die bspw. in der gefährlichsten Stadt der Welt, in Ciudad Juarez zum Einsatz kommen. Die Kosten für den Drogenkrieg belaufen sich jährlich auf einen zweistelligen Milliardenbetrag. Die Zahl der Drogenkonsumenten bleibt jedoch jedoch konstant, die Kriminalität steigt.

So sieht es auch der Harvard-Ökonom und Drogenexperte Ethan Nadelmann als er mit seiner gewagten Aussage "Drogen seien zu legalisieren" für einen Aufschrei in der ganzen Welt gesorgt hat. Seiner Meinung nach werden Menschen weiterhin Drogen nehmen - ob legal oder illegal. Denn Süchtige (harter Drogen) haben keine Wahl und sind bereit jeden Preis für den Stoff zu zahlen und so eine Art "unelastische Nachfrage" zu erzeugen. Die Illegalität hebt den Preis. Kostet beispielsweise ein Kilogramm Kokain in Kolumbien 1.300 Euro steigt der Preis in Mexiko oder in der Karibik auf 6.000 Euro und Europa auf 30.000 Euro bei (Groß-) Dealern. Der Wert des gestreckten Koks beläuft sich beim Endkonsumenten laut Experten auf und 400.000 Euro pro Kilo.

Mit einer "regulierten Legalisierung" möchte er an den exorbitanten Gewinnspannen der Drogenhändler ansetzen und diese durch eine kontrollierte Legalisierung aushebeln.  Durch den vom Staat kontrollierten Drogenhandel könnte die kriminelle Wertschöpfungskette zerschlagen werden und dadurch entstehende Kosten (Rüstung, Gefängnisse, innere Sicherheit) in versteuerte Staatseinnahmen (wie bei Alkohol oder Nikotin) umgelegt werden. Das gesparte/erwirtschaftete Geld, soll laut Nadelmann in die Drogenprävention und Aufklärungsarbeit gesteckt werden.

So abwegig scheint seine Aussage  gar nicht zu sein, denn ganze Regierungen, wie Kolumbien, Mexiko und Guatemala, die früher zum bitteren Kampf gegen die Drogen aufgerufen haben und eine Zero-Tolerance-Schiene gefahren sind, liebäugeln mit einer Legalisierung der Drogen.

Staaten denken über Legalisierung nach!

 

Sogar  in den USA wurde in den Staaten Colorado und Washington zeitglich mit dem zweiten Amtsantritt von Präsident Obama Marihuana legalisiert und staatlich-reguliert vertrieben. So dürfen die Einwohner dieser zwei US-Staaten, ähnlich wie in Portugal, zukünftig 30 Gramm Haschisch mit sich führen und konsumieren. Würde dieses Konzept auf die ganze USA ausgeweitet werden, könnte die USA laut Wirtschaftsprofessor Jeffrey Miron 8,7 Milliarden Dollar erwirtschaften! Ganz zu schweigen von dem positiven Effekt der wegfallenden Kosten durch Gerichtsverhandlungen und Haftstrafen wegen Marihuana-Besitz.

Wie man allerdings mit harten Drogen verfahren könnte und was die von der Gewalt weniger betroffenen Staaten in Europa dazu äußern, bleibt spannend!